Nackenschmerzen

Kopfschmerzen durch Nackenverspannungen: Der Zusammenhang erklärt

Von Nils Kämpfer · Juni 2026 · 6 Min. Lesezeit

Kopfschmerzen — und der Arzt findet nichts. Kein Bluthochdruck, kein neurologischer Befund, kein strukturelles Problem. Trotzdem brummst du täglich. Was dann? In sehr vielen Fällen liegt die Antwort nicht im Kopf, sondern im Nacken. Der sogenannte zervikogene Kopfschmerz — ein Kopfschmerz, der aus dem Nacken stammt — ist eine der am häufigsten fehldiagnostizierten Schmerzformen überhaupt.

Ich erkläre dir heute, wie das möglich ist, welche Muskeln und Strukturen beteiligt sind und wie du erkennen kannst, ob dein Kopfschmerz vom Nacken kommt.


Was ist zervikogener Kopfschmerz?

Der Begriff "zervikogen" kommt vom Lateinischen: cervikal = Halswirbelsäule, gen = stammend aus. Zervikogener Kopfschmerz entsteht in der Halswirbelsäule oder den Nackenmuskeln — wird aber als Kopfschmerz empfunden.

Das ist kein Einbildungsphänomen. Es ist eine anatomisch gut erklärbare Schmerzübertragung: Nerven aus der oberen Halswirbelsäule (C1 bis C3) laufen im Rückenmark zusammen mit Schmerzsignalen aus dem Kopfbereich. Das Gehirn kann dann nicht immer unterscheiden, ob der Schmerz aus dem Nacken oder aus dem Kopf kommt — und verortet ihn im Kopf.

Schätzungen zufolge sind bis zu 20 Prozent aller chronischen Kopfschmerzen zervikogen bedingt. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich höher, weil die Diagnose selten gestellt wird.


Die Anatomie — einfach erklärt

Der Schlüssel liegt in einer Muskelgruppe, die kaum jemand kennt: den subokzipitalen Muskeln. Das sind vier kleine, tiefe Muskeln direkt unter dem Schädel, die die Verbindung zwischen dem ersten Halswirbel (Atlas) und dem Schädelbein herstellen. Sie sind winzig — aber enorm wichtig.

Diese Muskeln sind extrem reich an Muskelspindeln (Rezeptoren für Muskelspannung) und direkt mit der Schädelbasis verbunden. Wenn sie sich verspannen oder Triggerpunkte entwickeln, ziehen sie an der Schädelbasis — und erzeugen ein charakteristisches Druckgefühl im Hinterkopf, das sich langsam über den Kopf bis in die Stirn ausbreiten kann.

Zusätzlich verläuft der Nervus occipitalis major — ein Nerv, der große Teile des Kopfes sensibel versorgt — direkt durch diese subokzipitale Muskulatur. Wenn die Muskeln verspannt sind, können sie diesen Nerv reizen oder komprimieren — mit direkter Auswirkung auf das Schmerzgeschehen im Kopf.


Die wichtigsten Triggerpunkte beim Kopfschmerz aus dem Nacken

Trapezius (oberer Anteil)

Der bekannteste Nackenmuskel. Triggerpunkte im oberen Trapezius strahlen typischerweise an die Schläfe und hinter das Ohr aus — und erzeugen Schmerzen, die sich anfühlen wie ein Schraubstock um den Kopf. Dieser Ausstrahlungsschmerz wird sehr häufig für Spannungskopfschmerz gehalten.

Sternocleidomastoideus (SCM)

Dieser große Muskel verläuft seitlich am Hals von hinter dem Ohr bis zum Brustbein. Triggerpunkte im SCM strahlen in die Stirn, die Schläfe, das Auge und manchmal in die Wange aus. Patienten berichten von einem Schmerz "hinter den Augen" — der tatsächlich aus dem seitlichen Halsmuskel stammt.

Subokzipitale Muskeln

Wie oben beschrieben: Diese tiefen Muskeln direkt unter dem Schädel erzeugen oft ein diffuses Druckgefühl im gesamten Hinterkopf. Typisches Zeichen: Der Kopfschmerz beginnt morgens, noch bevor du aufgestanden bist.


So erkennst du, ob dein Kopfschmerz vom Nacken kommt

Es gibt einige Merkmale, die auf einen zervikogenen Kopfschmerz hindeuten:

Selbsttest: Massiere für 30 Sekunden die Muskeln am Übergang von Nacken zu Schädelbasis — direkt unter dem Hinterkopf. Wenn das deinen Kopfschmerz vorübergehend verändert, verringert oder sogar auslöst, kommt er sehr wahrscheinlich aus dem Nacken.

Der Unterschied zur Migräne

Migräne und zervikogener Kopfschmerz werden oft verwechselt — oder beide gleichzeitig diagnostiziert. Es gibt aber wichtige Unterschiede:

Es ist allerdings möglich, beides gleichzeitig zu haben: Triggerpunkte im Nacken können bei Menschen mit Migräne als Auslöser wirken. Das Behandeln der Nackenverspannungen kann dann die Häufigkeit und Intensität der Migräneanfälle deutlich reduzieren.


Was wirklich hilft

Die wichtigste Erkenntnis: Schmerzmittel als Dauerlösung funktionieren nicht. Sie unterdrücken das Signal, ohne die Ursache zu beseitigen. Bei häufiger Einnahme von Schmerzmitteln (mehr als 10–15 Tage im Monat) entsteht zudem der sogenannte Medikamenten-Übergebrauchskopfschmerz — ein eigenes Krankheitsbild.

Was tatsächlich hilft:

Viele meiner Patienten, die jahrelang wegen ihrer Kopfschmerzen zum Neurologen gegangen sind, konnten durch die Behandlung der Nackenschmerzen erstmals nachhaltige Besserung erfahren. Es ist keine Magie — es ist Anatomie.

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