Triggerpunkte

Was sind Triggerpunkte und warum strahlen sie aus?

Von Nils Kämpfer · Juni 2026 · 6 Min. Lesezeit

Du drückst auf eine Stelle im Nacken — und plötzlich strahlt der Schmerz in den Kopf aus. Du hast einen Punkt im Gesäß, der sich anfühlt wie Ischias, obwohl kein Nerv eingeklemmt ist. Das sind Triggerpunkte. Und wenn du verstehst, was sie sind und warum sie so seltsame Schmerzmuster erzeugen, wird vieles klarer — auch warum so viele Behandlungen nicht helfen, die am falschen Ort ansetzen.


Was ist ein Triggerpunkt?

Ein Triggerpunkt ist eine hypersensible, verhärtete Stelle innerhalb eines Muskels — genauer gesagt innerhalb eines verknoteten Muskelfaserbündels, das sich nicht mehr entspannen kann. Wenn du diesen Punkt mit dem Finger drückst, entsteht ein charakteristischer lokaler Schmerz, oft begleitet von einem Ausstrahlungsschmerz in eine andere Körperregion. Dieser Ausstrahlungsschmerz ist reproduzierbar: Er taucht jedes Mal auf, wenn du denselben Punkt drückst.

Man unterscheidet zwischen aktiven und latenten Triggerpunkten. Aktive Triggerpunkte schmerzen von sich aus — auch ohne Druck, im Alltag, beim Bewegen. Latente Triggerpunkte sind stumm: Sie schmerzen nur, wenn du sie drückst, schränken aber trotzdem die Muskelfunktion ein und können die Haltung beeinflussen.

Wie entsteht ein Triggerpunkt?

Die Entstehung ist noch nicht vollständig erforscht, aber das Hauptmodell sieht so aus: Durch Überlastung, Fehlhaltung, Stress oder anhaltende Muskelspannung entsteht an einzelnen motorischen Endplatten im Muskel eine lokale Energiekrise. Die betroffenen Muskelfasern können nicht mehr vollständig entspannen. Es bildet sich ein verhärteter Knoten — der Triggerpunkt. Dieser Knoten stört die Durchblutung in seiner unmittelbaren Umgebung, was Stoffwechselprodukte ansammelt und die Schmerzsensibilität erhöht.


Warum strahlen Triggerpunkte aus?

Das ist die Frage, die die meisten meiner Patienten am meisten beschäftigt — und die Antwort ist gleichzeitig faszinierend und frustrierend.

Der Ausstrahlungsschmerz entsteht durch nervale Verknüpfungen im Rückenmark. Schmerzsignale aus verschiedenen Körperbereichen laufen im selben Bereich des Rückenmarks zusammen. Das Gehirn kann dann nicht immer genau unterscheiden, woher der Schmerz kommt — es interpretiert ihn als aus einem anderen Bereich stammend. Dieses Phänomen nennt sich „Referred Pain" (übertragener Schmerz).

Du kennst das Prinzip vielleicht aus dem Herzinfarkt: Herzschmerz strahlt oft in den linken Arm aus, obwohl der Arm selbst vollkommen gesund ist. Bei Triggerpunkten funktioniert dasselbe Prinzip. Der Schmerz stammt aus dem Muskel — wird aber vom Gehirn an einem anderen Ort verortet.

Das erklärt, warum so viele Behandlungen scheitern: Wenn du den Schmerz behandelst, wo er sich zeigt, statt dort, wo er entsteht, wirst du keine nachhaltige Besserung erreichen. Genau hier liegt der Unterschied zwischen symptomatischer Behandlung und echter Ursachentherapie.

Die häufigsten Ausstrahlungsmuster

Trapezius → Kopf und Schulter

Der Trapezmuskel, der sich vom Hinterkopf über den Nacken bis zu den Schultern erstreckt, ist einer der am häufigsten betroffenen Muskeln überhaupt. Triggerpunkte im oberen Trapezius strahlen typischerweise an die Schläfe und hinter das Ohr aus — und erzeugen so Kopfschmerzen, die wie Spannungskopfschmerz wirken. Triggerpunkte weiter unten im Trapezius strahlen in die Schulter und den Schulterblattbereich.

Piriformis → Bein (falsch verstandenes Ischias)

Der Piriformis ist ein kleiner, tiefer Muskel im Gesäß, direkt neben dem Ischiasnerv. Wenn er Triggerpunkte enthält, strahlt er in den Gesäßbereich, die Hüfte und manchmal tief in den Oberschenkel — genau wie ein echter Ischiasschmerz. Viele Menschen werden dann wegen eines Bandscheibenvorfalls behandelt, der gar nicht existiert. Die Ursache sitzt im Muskel, nicht im Nerv.

Infraspinatus → Arm und Schulter

Der Infraspinatus liegt auf der Schulterblattfläche, ist aber für viele unbekannt. Triggerpunkte dort strahlen über die Schulter in den Arm aus — bis in den Ellenbogen oder sogar die Hand. Patienten beschreiben es als tiefen, dumpfen Schmerz im Arm, der beim Heben oder Drehen der Schulter zunimmt. Dieser Ausstrahlungsschmerz wird häufig für einen Nervenengpass oder Tennisarm gehalten.


Was passiert, wenn Triggerpunkte unbehandelt bleiben?

Latente Triggerpunkte können jahrelang stumm existieren — bis eine zusätzliche Belastung sie aktiviert. Aktive Triggerpunkte hingegen führen über Zeit zu einem Problem, das ich in meiner Praxis täglich sehe: Kompensationsmuster.

Wenn ein Muskel schmerzt oder in seiner Funktion eingeschränkt ist, übernehmen andere Muskeln seine Aufgaben. Diese Hilfsmuskeln werden dann ihrerseits überlastet und entwickeln eigene Triggerpunkte. So entsteht eine Schmerzkette, die immer komplexer und schwerer zuzuordnen wird. Was als Schulterschmerz begann, zieht sich in den Nacken. Was als Nackenschmerz begann, führt zu Kopfschmerzen. Das System kompensiert — bis es nicht mehr kann.

Deshalb gilt: Je früher ein Triggerpunkt behandelt wird, desto einfacher ist die Behandlung und desto schneller der Erfolg.


Wie Triggerpunkttherapie funktioniert

Die Triggerpunkttherapie ist keine Massage im herkömmlichen Sinne. Es geht nicht darum, den Muskel pauschal zu entspannen, sondern darum, die spezifischen verhärteten Stellen zu lokalisieren und gezielt zu behandeln.

Die wichtigsten Techniken:

In meiner Praxis kombiniere ich diese Techniken mit einer gründlichen Analyse der Ausstrahlungsmuster. Denn nur wenn ich die gesamte Schmerzkette verstehe — nicht nur den Punkt, wo es wehtut — kann ich die Ursache wirklich behandeln. Lies mehr dazu auf der Seite zu Nackenschmerzen oder Schulterschmerzen.

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